Eröffnung des Kompetenzzentrums Marine Aquakultur in Büsum am 3. Juni 2009
Es gilt das gesprochene Wort!
Sehr geehrter Herr Dr. Austen, (Geschäftsführer)
sehr geehrter Herr Landrat, (Dr. Klimant)
meine sehr geehrten Damen und Herren,
heute ist ein guter Tag für Büsum, die Westküste und Schleswig-Holstein! Denn wir sind um einen Ort der Innovation reicher. Kompetenzzentrum – das heißt: hier wird der geballte Sachverstand von Forschung und Entwicklung zuhause sein. Und dieses Zuhause für die marine Aquakultur eröffnen wir heute.
Das freut mich sehr: Das Land zwischen den Meeren ist in der Meeresforschung eine weltweit anerkannte Größe. Mit dem nationalen Kompetenzzentrum für marine Aquakultur schärfen wir weiter unser Profil. Wir stärken unsere Stärken!
Und wir nutzen unsere natürlichen Standortvorteile: Für einen Gleichklang von Ökologie, Ökonomie und Qualität. Denn darum geht es:
Weltweit wächst der Nahrungsbedarf an hochwertigen marinen Organismen, während die Erträge aus der Weltfischerei seit Jahren stagnieren, Fangquoten eher rückläufig sind und die Weltbevölkerung weiterhin wächst. Hier entsteht eine Lücke, die wir nachhaltig schließen wollen.
Dazu wird das nationale Kompetenzzentrum seinen Beitrag leisten. Schleswig-Holstein ist stolz auf seine Institutionen, die sich mit globalen Ernährungsfragen auseinander setzen und Antworten geben auf ganz entscheidende Herausforderungen der Zukunft. Wir können hier auf exzellente Experten zurückgreifen und es ist für uns außerordentlich wertvoll, dass Prof. Schulz und sein Team den Wissenschaftsstandort mit der Gesellschaft für Marine Aquakultur verstärken.
Meine Damen und Herren,
für uns in Schleswig-Holstein ist es besonders wichtig, dass wir die Forschung näher an die Unternehmen im Land heranbringen.
Es gilt, die Glieder in der Wertschöpfungskette stärker mit einander zu verknüpfen.
Hier bietet sich die maritime Wirtschaft an. Denn sie ist ein breit aufgestelltes Wachstumsfeld, zu deren Wertschöpfung zahlreiche Technologien beitragen. Und das werden wir auch hier in Büsum erleben. Hier werden geschlossene Kreisläufe entwickelt, die mit neuen Technologien betrieben werden. Um das zu garantieren, stehen verschiedene wissenschaftliche Disziplinen bereit.
So ist hier ein Vorzeigebeispiel für die Bündelung schleswig-holsteinischer Kompetenzen entstanden. Der integrative und interdisziplinäre Ansatz vernetzt unsere Leistungsträger aus der Christian-Albrechts-Universität, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEMOAR und der Fachhochschule Flensburg. Das sind Know-how Lieferanten, die hier zusammenkommen – in unmittelbarer Nähe des Forschungs- und Technologiezentrums Westküste der CAU. Und das ist bundesweit einzigartig.
Aber natürlich blicken wir auch über den Tellerrand, oder besser: über unsere Landesgrenzen hinaus. Es ist unser erklärtes Ziel, weitere wissenschaftliche Einrichtungen aus den anderen Küstenländern in den Aufbau und die Arbeit des Kompetenzzentrums einzubinden. Ich wünsche mir hier in Büsum einen wegweisenden Orientierungspunkt für den gesamten Norden!
Auch deshalb hat sich die Landesregierung mit finanzieller Unterstützung nicht zurückgehalten. Mehr als zehn Millionen Euro haben wir in den Aufbau des Kompetenzzentrums marine Aquakultur investiert. Das ist eine ordentliche Summe, die dem Wissenschaftsstandort da zugeflossen ist. Aber wir meinen: Es ist eine Investition, die sich lohnt.
Seien wir ehrlich: In der Europäischen Union ist die marine Aquakultur noch eher unterentwickelt. Das ist bedauerlich. Aber auf der anderen Seite verfügt sie deshalb auch über enormes Entwicklungspotenzial. Und wir wollen die Entwicklung vorantreiben!
Insgesamt werden heute etwa 40 Millionen Tonnen Aquakulturprodukte pro Jahr erzeugt. Davon entfallen etwa 15 Millionen Tonnen auf die marine Aquakultur von Tieren. Die jährliche Steigerung liegt bislang bei etwa 10 Prozent pro Jahr. Bis zum Jahr 2015 rechnen Experten mit einer Verdopplung der heutigen Aquakulturproduktion.
Führende Nationen sind Norwegen, Chile, China und Japan, aber auch Staaten wie Australien, Neuseeland, Südafrika, Argentinien, Indonesien und Thailand haben die Bedeutung dieses Zukunftssektors erkannt. Allen diesen Ländern ist gemeinsam, dass sie über günstige naturräumliche Bedingungen verfügen.
Für uns ist klar: Hinter diese Länder wollen wir nicht zurückfallen!
Zumal es sich mit der marinen Aquakultur ähnlich verhält wie mit einer anderen schleswig-holsteinischen Schlüsselkompetenz: der Landwirtschaft.
Denn in der Aquakultur wird durch die Zufütterung oder Veränderung der Lebensbedingungen eine Steigerung der Produktivität über das natürliche Maß hinaus bewirkt. Das ist durchaus mit der Landwirtschaft vergleichbar. Also sollten wir im Land zwischen den Meeren nicht nur auf Landwirtschaft, sondern auch auf diese besondere Form der Wasserwirtschaft setzen!
Wir tun das mit Blick auf die Unternehmen und Arbeitsplätze im Land. Wir haben uns im Vorfeld versichert: Die wirtschaftliche Relevanz des Projektes ist gegeben. Es wurden mindestens 50 Unternehmen im Land ermittelt, die entweder bereits im Bereich marine Aquakultur tätig sind oder ihr Interesse an der Zulieferung von Modulen signalisiert haben. Wissenschaft wird hier auch am Markt ausgerichtet und das bestätigt uns in einer Annahme: nämlich Wissen schafft Arbeit, meine Damen und Herren!
Die Europäische Union hat den Rahmen gesetzt für die marine Aquakultur: Sie fordert praktisch Wirkungsneutralität ein.
Das heißt: Durch die marine Aquakultur dürfen marine Lebensräume quasi nicht verändert werden. Wir sind den Naturräumen verpflichtet!
Deshalb wird heute marine Aquakultur an Land betrieben. Es entstehen Hallen auf dem Festland wie hier in Büsum. Und wir wissen die Vorteile zu schätzen:
Meeresflächen und Meerwasser werden nur gering in Anspruch genommen. Und die Aufzucht kann unter kontrollierten Bedingungen erfolgen.
Das sind die Vorteile. Aber ich begrüße es auch sehr, dass die EU erkannt hat, dass wir uns in einem weltweiten Wettbewerb befinden. Wir wollen, dass Forschung und Unternehmen bessere Rahmenbedingungen vorfinden, damit sie international mithalten können. Wenn uns das gelingt, dann werden wir ein ähnliches Wachstum wie in den anderen konkurrierenden Staaten erreichen.
Schleswig-Holstein will hier oben mitspielen!
Für die Weiterentwicklung der marinen Aquakultur in Schleswig-Holstein kommen im Wesentlichen nur Kreislaufanlagen in Frage. Beiträge zur Lösung der damit noch verbundenen Probleme zu entwickeln, ist wesentliches Ziel des „Nationalen Kompetenzzentrums marine Aquakultur“.
Wir haben uns für das Kompetenzzentrum marine Aquakultur stark gemacht,
- weil wir die interdisziplinäre Entwicklung innovativer Technologien für geschlossene Kreislaufanlagen voranbringen wollen, die umwelt- und artgerecht arbeiten.
- Weil wir die Position Schleswig-Holsteins im Bereich mariner Technologien weiter stärken wollen.
- Weil wir das vorhandene Potenzial schleswig-holsteinischer Institutionen und Unternehmen bündeln wollen.
- Und weil wir schleswig-holsteinische Unternehmen und Forscher am Fortschritt beteiligt sehen wollen. Das gilt gerade auch für internationale Projekte.
Ich bin sicher, dass bald neben den nationalen Förderprojekten auch internationale Projekte durchgeführt werden. Denn diese Einrichtung spielt nicht nur in der Bundesliga, sondern auch in der Champions League!
Meine Damen und Herren,
wir gehen heute einen großen, einen wichtigen Schritt auf einem zukunftsträchtigen Weg. Forschung und Entwicklung sind der Schlüssel zu Fortschritt und Wachstum. Wir stehen heute vor einem starken Kraftpaket, das Spitzenqualität aus dem ganzen Land bündelt. Forschungsergebnisse, die hier gewonnen werden, werden Einzug halten in Biologie und Technologie. Die Wirtschaft wird sie zu verwerten wissen. Um ihre Vermarktung ist mir dann nicht bange.
Ich freue mich über diesen innovativen Ort im Land der Ideen.
Vielen Dank.